Jacke wie Hose

Mein 18. Geburtstag wurde vollständig ignoriert. Wegen einer Meinungsverschiedenheit, die ein halbes Jahr zurück lag. Im vorigen Jahr wurde die Volljährigkeit meines Bruders standesgemäß begangen, mit einer Familienfeier im Restaurant. Er bekam den Führerschein geschenkt.
Ein Jahr später also frage ich dann an meinem Ehrentag meine Mutter, ob ich mir wenigstens hundert Mark nehmen dürfe, um mir eine Jacke zu kaufen.
Es war eine Herrenjacke aus Plastik, schwarz. Immerhin in der richtigen Größe. Denn normalerweise versteckte ich mich unter viel zu großen Klamotten. Den Führerschein finanzierte ich ein Jahr später aus der Lebensversicherung meines Vaters.
Und so wie der Gesellenbrief meines Bruders ordnungsgemäß gefeiert wurde, hat nie jemand mein Abiturzeugnis gesehen.

Ich trug gerne Herrenjackets und viel zu weite Hosen. Immerhin, als das Bestehen meines Studiums, und das der Kommilitonen, gefeiert wurde, innerhalb der Fachakademie, kaufte ich mir einen beigen Damencordanzug und eine weiße Bluse. Das war öffentliches Gesprächsthema. Ein Dozent äußerte sich deutlich: Sie kann’s ja!

Auf irgendeine Art wusste ich, dass ich, gemessen am gesellschaftlichen Standard, hübsch war. Ich wusste nicht, was die Blicke der Männer bedeuteten. Ich war Freiwild. Noch jahrelang kleidete ich mich mit einem Kampfgewicht von 65 kg bei 1, 76 cm Körpergröße in Übergrößen.

Später, mit Aufnahme des ersten richtigen Jobs in Berlin, hatte ich Freude daran, mir Klamotten zu kaufen, und ich nahm diffus wahr, dass ich nicht zu übersehen war. Egal, ob ich mich ganz in grau in den Hintergrund begab – ich fiel auf.
Irgendwann dachte ich mir, na, wenn du schon so präsent bist, kannst du dich gleich entsprechend kleiden. So ist das noch immer. Ich mag farbenfrohe, auffällige Kleidung.

Im Herbst und Frühjahr trage ich meine rot-weiß geknüpfte Vintagejacke, im Winter einen blau-weiß im Zickzackmuster gestreiften Mantel. Nur für die Tage, an denen ich mies drauf bin, habe ich noch eine graue Jacke von der From eines Lumpens, das muss dann auch mal sein. Und auch das fällt auf.

Sehen und gesehen werden. Ich beschwere mich nicht über aufdringliche Blicke, wie der im Gesicht komplett tätowierte Mann, an dem mein Blick kurz hängen blieb und der mich sofort anschrie: Was glotzt du?!?

Kleider machen Leute. Der fade Trenchcoat hängt seit Jahren auf dem selben Bügel, seit ich nicht mehr ins Büro muss.

Vielleicht strahlt meine Kleidung Lebensfreude aus, mag sein. Aber ich fühle mich, als gehörte ich nicht in diese Welt, immer fehl am Platz.
Wenn ich in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, wird mein Gesicht zur abwesenden Maske. Ich schütze mich mit Musik aus Kopfhörern gegen das Geblubber der Menschen um mich herum. Und habe das Gefühl, mich doch unsichtbar machen zu können.

Das Paradoxon meines Lebens: Ich werde gesehn und nicht erkannt. Ich ziehe an und werde abgelehnt. Ich fordere heraus und werde gemieden.

Jacke wie Hose. Wenn es regnet, ziehe ich meinen knallpinken Regenmantel an.

 

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Winterjacke

Solitär

Ich bin ein Solitär, freistehend, nach allen Seiten offen. Ohne Berührung. Angeblich braucht man Berührungen. Ich wohl nicht? Wenigstens Schläge, Hammerschläge sozusagen. Oder Faustschläge. Vielleicht wäre ich gerne ein Carillon. Ästhetisch und rhythmisch weich geklopft. Der Klang der Einsamkeit. Spiel mir das Lied vom Tod. Der Refrain die Ewigkeit. Spährenklänge.
Ich muss mich erden: 3-2-1-Übung. Meine kleine Wohnung, voller Schätze, Kerzen. Weizenkorn.
Die Heizung gluckert, der Lüfter ist zu laut, hoffentlich geht der nicht bald kaputt, die Stille dahinter.
Ich nehme den Igelball in die Hand. Die heiße Tasse Tee, die Tastatur.
Nilpferde überall, Bücher.
Ich höre nichts weiter, ich bin ein Augenmensch.
Ich fühle nichts weiter, ich bin ein Kopfmensch.
Eine Zigarette, der Qualm, der nach oben steigt.
Nichtstun.
Ich werde einfacher, das ist gut.

Schlachtfeld

Drei Jahrzehnte später, die Mahnung, die Drohung. Das spürbare Unwohlsein der Erwachsenen, die Oma und die Tanten, die drängen, weiter zu gehen.

Am Bodensee, Konstanz, der Geburtsort des Vaters. Der Vater ist abwesend bei diesem Spaziergang. Nur die Frauen und die Kinder.

Mein Cousin findet den Haufen zuerst und ruft uns herbei, meine Brüder und mich. Ein Haufen Gedärme, mehrere beutelartige Gewebe, es müssen die Mägen eines Rinds sein. Lange gewundene Därme oder ein Darm, ich weiß es nicht mehr.
Mitten auf einem freien Feld liegen die tierischen, noch frischen Überreste eines geschlachteten Tieres auf der Wiese.
Wie immer, weil eine Notwendigkeit, lachen und prusten wir. Mein Cousin setzt eine Weinbergschnecke, die er im Gras gefunden hat, auf ein aus seiner Höhle entwendetes starr starrendes Auge.
Oma und Tanten lachen verhalten mit, um das Interesse nicht noch zu steigern. Schließlich folgen wir den Frauen und entfernen uns von diesem Schlachtfeld.

 

Dies kein Traum, sondern Realität. Die mir wie immer niemand bestätigen würde. Verdrängt, vergessen. 1989 oder 1990.

Kognitive Dissonanz

Ideologie: Ich bin der Inbegriff der Liebe, ich liebe beliebig jeden. Jeden, der mich braucht, bis in alle Ewigkeit.

Idealismus: Ich bin die Verkörperung der Konsequenz, ich mache mich überflüssig, bis ich aussterbe.

Und dann die super Gescheiten, die jeden -ismus verneinen, stehen außerhalb jeden Gefüges, Hochmut.

Ohne Humanismus wird das alles nichts.
Es ist schon immer fünf vor zwölf. Endzeitstimmung. Zeit ist ein menschliches Maß.

Maßlosigkeit eine menschliche Eigenschaft.

Auf mich wartet nur die Bügelwäsche....

Heidschi bum beitschi

Meine Erinnerung an ein Kinderlied. Der Originaltext beschwört das Gegenteil:

Allein verlassen ist das Kind.
Nichts geschenkt und viel verlangt.
Schmerzen betäubt der warme Wind,
der ewig bläst und klingt:

Aber Heidschi bum beitschi bum bum
Aber Heidschi bum beitschi bum bum

Ein Kind weint nicht mehr,
Keine Kerze für ein Kind.
Der Himmel ist leer
und du bist endlich tot im warmen Wind.

Aber Heidschi bum beitschi bum bum
Aber Heidschi bum beitschi bum bum

Bum bum

Bum

Das Schwert und die Liebe

May everyone live,
And may everyone die.
Hello, my love,
And, my love, Goodbye.

Here is your love for all things…..

Lieb sein!
Lieb steckt in Be-lieb-igkeit drin.
Ist das Liebe?

Das Schwert ist das Rasiermesser, hier ist eine Abgrenzung.
Mit Trotz dagegen halten. Haltung zeigen. Das ist Liebe.
Die Gewaltlosigkeit ein Paradigmenwechsel zum mosaischen Prinzip. Wie schon ‘Auge um Auge, Zahn um Zahn’ ein Paradigmenwechsel zur Sippenhaft war.
Eine innerjüdische Angelegenheit.
Kein weichgespülter Aufruf zur Selbstaufgabe. Die Vergebung meint die außerhalb des Judentums stehende ausführende Besatzungsmacht. 

Der historische Jesus war sicher nicht harmoniesüchtig und konfliktscheu.

Here is your love for all this….

Jenseits von Gut und Böse schießt Schmidt-Salomon über’s Ziel hinaus. Völlig egal, ob religiös konnotiert oder nicht – es gibt ‘das Böse’!
Freilich hilft da kein Exorzismus, sondern nur eine konsequente Haltung, Strafverfolgung, Rechtstaatlichkeit.

Karwoche

Karwoche. The roof is on fire. Nordiralnd brennt mal wieder. Und der Stellvertreter instrumentalisiert einen ideologisch verbrämtenTeenager - ein Privileg der Jugend - aus der Society der Upper-Class-Salon-Sozialisten. Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen genau, was sie tun!
Ich suche den Frieden und jage ihm nach – und finde ihn doch nur in der – bedrohten – Pax Americana.

30 Silberlinge ist nicht viel für die Erfüllung einer Eschatologie.

Gemeinplatz

Wenn man sich auf dem Gemeinplatz unterhält, ist es egal, ob das Thema Fußball oder Politik ist.

Enten

'Wellness' ist ein Kunstgriff, Kunstbegriff, um etwas Einfaches teuer zu verkaufen.…

Ich habe von einem Angebot ‚Waldbaden‘ gelesen – ein Guru erzählt was und man geht in den Wald LOL

Hm, ich kann selten so richtig entspannen.
Ich muss dann um den See rennen.

Der Inbegriff der Entspannung wäre für mich, ganz allein in sattem, grünen Gras zu sitzen, mit ein bisschen Panorama, natürlich bei Sonnenschein…..

Dorfkindermoment

Da grüßt man einmal den gemieteten Fahrer, der des Chefs Limousine zum Flughafen bringen soll, und schon hat man die Etikette verletzt.

Ich komme vom Dorf. Ich grüße alles, sogar Enten!

Diaspora

Das, was in meiner stockkatholischen, tiefschwarzen Heimat unter Ökumene firmiert, veranlasst Professor Luther dazu, im Grabe zu rotieren.

Der Papa-Ratzi, Rottweiler Gottes, sagt, die 68er seien Schuld am katholischen Missbrauch.
Wenn die gewohnten Lügen nicht mehr greifen, vergreift man sich an Dreistigkeit.

Wie biegt sich der normale Namenschrist das zurecht?

Alle Wertschätzung dem Fußvolk, den fleißigen Arbeitern im Namen der Liebe.
Aber wie kann mich sich so eine Institution wie die römisch katholische Kirche zurechtbiegen, um darin tätig zu werden?

Irgendwie lebt da der rachsüchtige Wüstengott weiter…..
Wenn ihr meine Gebote nicht einhaltet, werded ihr in der Hölle schmoren.
Selbst die größten Sünder. Wasser predigen, Wein saufen.
Wenn der Bischof mit dem Minister.
Ob Hans-Georg Maaßen katholisch ist? Bestimmt! Wer so eine Furcht vor dem Untergang des Abendlandes hat.

Ist es überzeitlicher Humor, dass Jesus Simon Petrus beauftragt hat (haben soll), eine Kirche zu bauen? Galgenhumor. Petrus, dieser wankelmütige Eiferer? Der den Advocatus Diaboli rechtfertigen will? Ob dieses Sündenverständnis den Ablasshandel begüngst?

Ist das Universum ein sicherer Ort?
Hat ‘Gott’ uns eine Gnadenzusage gegeben?

Ich bin mir da nicht so sicher…..

Für so ein Unterfangen wie das Leben bin ich gar nicht ausgerüstet.

I’m not designed to fit in. Poor me.

 

dracula

Keine Antwort auf die Frage, was existiert? Du, ich, in welchem Raum?

Gott ist das Ende des Verstandes. Und der Wahn nicht weit.