Krypta

Ich spiele ein Spiel, bei dem eine unsichtbare Hand jeden Triumph in ein Scheitern verwandelt.
Kaum meine ich, erahnt zu haben, worum es geht, ändern sich die Spielregeln. Ein Labyrinth aus Willkür, jeder Sinn entstellt und verformt. Es gibt keinen Anfang und kein Ende.
Hier bin ich. Ich bin. Kann ich doch sagen? Nein, es ist mir nicht gestattet. Blinkende, rollende Symbole lassen auf einen Gewinn hoffen – ein Glücksspiel. Ich habe Pech, immer Pech.
Von Frau Holle mit Gold bedeckt, verfolgt mich das Pech fledermausartiger Priester der Orthodoxie. Der Untergrund, auf dem meine Füße stehen, klebt. Wenn ich einen Schritt vorankomme, so ist er zäh. Vor dem Abgrund einen Schritt zurück zu tun, ist ein Fortschritt. Ich stelle jede Bewegung ein, verharre. Das schmerzt, ist widernatürlich.
Eine obszöne Litanei kündet von meinem falschen Glauben. Ich singe den Confiteor. Die Antwort ist Verdammnis. Die folgende Stille ist absolut. Ich bin zur Greisin geworden, ich höre nicht mehr. Doch ich bin, ja, ich bin. Hier und jetzt und in meiner Ewigkeit. Im Terror. In lingua. Amen.

Leere

In der Leere der Wüste ist eine Oase des Schreckens eine willkommene Abwechslung.

Daniel

Gezählt, gewogen und geteilt, gehe ich unter unter’m Universum. Gewichtslos, gesichtslos, der Materie entkleidet. Ich fahre als Windhauch über die leeren Flächen der La Mancha und treibe Mühlen an. Geschichtslos verharre ich im Staub. Ich muss lachen, als man mich in die Grube wirft, weil die Hand des Soldaten meine Achsel kitzelt. Die Kinder lachen. Die Löwen blecken ihre Zähne, dass es scheint, als grinsten sie. Es dauert, ich hocke und warte. Mit Löwen kann man nicht Karten spielen. Die Löwen werden an den Zirkus verkauft und ich reise weiter nach Ávila. Dios no se muda, never ever.
Und ich bitte um ein namenloses Armengrab. Das ist alles. Irgendwann. Die Zeit ist in einem Uhrwerk gefangen und hat keine Bedeutung. Sie ist Knecht, nicht Meister. Einem Knecht unterwirft man sich nicht.
Der König ist tot. Lang lebe der König. Die Münzen werden eingeschmolzen und neu geprägt. Die Deutungshoheit über mein Leben gebe ich nicht ab. Meine Herrschaft währt bis zum letzten Tag in der Sonne. Dann schweige ich. Nur für heute, wie die Anonymen Alkoholiker sagen.
Ich bin allein in meiner Sucht. Ein Extrablatt, bedeutungslos, Feuilleton.

 

Morgen gehe ich einem Tagewerk nach, Beschäftigung, Betriebsamkeit. Die laute Welt verlangt Sinn von mir, wo keiner ist. Ich beuge mich, verdiene Lohn. Morgen.

Mein Morgen wird kalt sein. Mein Morgen wird weder Überraschung noch Enttäuschung sein. Eher ein Stilleben, ich als Gefangene darin. Kann ich mich bewegen? Leben ist Bewegung und ich bin starr vor Schreck.