Submitted by andrea on Mon, 02/11/2019 - 10:54

Wohnen. Warum träume ich vom Wohnen. Heute Nacht war ich mobil, musste drei mal pro Woche meine Unterkunft wechseln.

Zunächst hatte ich an zwei Wochentagen eine Art WG-Zimmer innerhalb eines Krankenhauses. Ich war mit ausschließlich männlichen Chaoten zusammen. Einer der Männer bedrängte mich heftig und Lärm war bis spät in die Nacht. Ich floh über Gänge und in fremde Zimmer und beschwerte mich bei den Schwestern, doch die ignorierten mich. Schließlich gab ich nach und schlief mit dem zudringlichen Mann, damit Ruhe war. Dafür bekam ich einen Beutel Marihuana.

Die zweite Unterkunft war in einem kleinen Zimmer in der Villa einer freundlichen alten Dame. Ich hatte Schwierigkeiten, die Kammer im Dachboden zu finden und keinen Eindruck davon. Ich hielt ein nettes Pläuschchen mit der alten Frau als ihre Tochter kam. Die mich ganz böse aus den Augenwinkeln ansah. Ich wusste, sie dachte, ich wollte an ihr Erbe. Die alte Frau stritt sich mit ihrer Tochter und ließ sie stehen. Statt dessen zeigte sie mir ein Zimmer, das ich noch nicht kannte – ein Bibliothek. Besonders stolz war sie auf einen Schrank, in dem sich so ziemlich sämtliche Publikationen von Langenscheidt befanden. Ich lachte sie an: “Der Langenscheidtschrank!” Sie lachte zurück.

Dann musste ich für den nächsten Tag, die nächste Unterkunft aufsuchen. Dazu schob ich ein mobiles Kabuff – sah aus wie ein Klohäuschen, Innenraum unbekannt – zu einem Café an einem Fluß. Man kannte mich schon, ich hatte vergessen, wo mein Standort war. Nein, zur Straße hinaus sei ich mit meinem Klohäuschen im Weg, ich dürfte ruhig auf die Terrasse ans Ufer. Ich stellte mein mobiles Häuschen ab und setzte mich in den Biergarten. Dort traf ich auf einen Teil meiner Abstinenzselbsthilfegruppe. Ich grüßte und unterhielt mich auch ganz nett und stellte dann fest: “Ich setzte mich da unten hin, denn ich brauche jetzt ein Bier und einen Joint”.