Submitted by andrea on Fri, 12/04/2020 - 11:13

Normal ist, was der Norm entspricht. Abweichungen dürfen gerne toleriert werden, auch ‘normal’ genannt werden. Es ergibt aber keinen Sinn, Randthemen einer Mehrheit gewaltsam aufzuzwingen, das erzeugt Widerspruch, wo er gar nicht nötig wäre. Kurioserweise behaupten Anhänger solcher Extreme, der ‘Normalo’ brauche Widerspruch.

Ich habe keine Ahnung, was ein ‘nicht-binärer’ Mensch sein soll. Ich bin weder homophob noch sonst irgendwas. Sicher gibt es Menschen, die sich geschlechtlich im falschen Körper fühlen. Wahrscheinlich so selten wie das Syndrom der Xeonomelie. Gender-Identität wird zum Modethema gepusht. Teenager laufen Gefahr, einen vorübergehenden Zustand als allgemeingültig für ihr Leben zu erachten. Ich kenne eine Transfrau und nehme sie als solche wahr. Also: Was ist ein ‘nicht-binärer’ Mensch? Heute so, morgen so? Für irgendwas sollte man sich dann schon mal entscheiden.

Dann füllt Esoterik, von Gurus propagiert, die Lücke, die die Säkularisierung hinterlässt. Anhänger solcher Schulen setzen ihre Theorien mit der akademischen Theologie gleich. Wie in der Homöopathie mit ihrer ‘Potenzierung’ wird schlichten Geistern eine Komplexität vorgetäuscht, die es nicht gibt.
Ich lese grundsätzlich keine Ratgeberliteratur. Am allerwenigsten solche von Karriereberatern, die mit ihrer Karriereberatung am Existenzminimum herumkrepeln.

In Streitgesprächen mit solchen Kandidaten wechseln diese munter den Referenzrahmen, wie es akademische Dünnbrettbohrer gerne tun und sich damit in der Beliebigkeit verstricken.
Ich habe ja momentan ein Untermietverhältnis im Rahmen der Wohnungslosenhilfe, wo es viele auch niedrigschwellige Angebote gibt, wo etwa keine Alkohol- oder Drogenabstinenz eingefordert wird. Wenn ich auf diesen Sachverhalt hinweise, heißt es von einigen in diesem System beschäftigten Personen, meine Hochschulbildung sei ein Privileg, das mir die Compliance ermögliche. Wenn ich mega frech behaupte, auch jemand mit geringer Schulbildung könne verstehen, dass die Miete gezahlt werden müsse, haut man mir das Totschĺagargument, dass Wohnen ein Grundrecht sein sollte und – natürlich – dass halt der Kapitalismus einfach scheiße ist, um die Ohren und unterstellt mir mangelnde Empathie.
Und auf eine Margarete Stokowski, die einem erklärt, dass das Problem mit der Obdachlosigkeit ‘ganz einfach’ zu beheben sei, habe ich gerade noch gewartet.

Das Go-Spiel, durch und durch binär, kommt gerne in Geniefilmen vor, unter anderem in ‘A Beautiful Mind’. Zu Beginn des Films spielen John Nash und ein Kollege. Der Kollege gewinnt, John Nash rastet aus, er habe doch perfekt gespielt! Der Kollege hatte mit Weiß begonnen. Wenn er auch perfekt gespielt hat, ergibt sich gezwungenermaßen, dass Weiß gewinnt. Ein Hoffnungsschimmer für mich, dass das Gute das letzte Wort hat. John Nash lernt mit seiner Psychose umzugehen, er verwirft die Annahme, irgendwie ‘besonders’ zu sein und unterrichtet Erstsemester.
Robin-Williams-Filme sind übrigens nur Wohlfühlkitsch. Höchstbegabt und das Fehlen jeder Impulskontrolle und ‘Du kannst nichts dafür!’ - kann mir keiner erzählen.
Selbstmord wegen eines väterlichen Wunsches nach einer ‘richtigen’ Karriere ist jetzt echt nicht so überzeugend. Künstler wird man nicht einmal unbedingt durch das Besuchen einer Kunstakademie, es gibt keine Erfolgsgarantie.
Ob sich Karl Marx, selbst der Herkunft nach aus der Bourgeoisie, berufen fühlte, das Proletariat zu befreien, weil er als Journalist und Philosoph in Preußen keinen Erfolg haben durfte, sollen andere bewerten. Immerhin, es ist ein Klassiker, dass ausgerechnet immer die Privilegierten die Benachteiligten retten wollen.
Unlängst in einer Berliner Tageszeitung das ‘Projekt’ eines ‘Künstlers’ über die afrikanischen Dealer in den Parks: Pappsilhoutten mit einem Zettelkasten dran, wo sich biografische Angaben zur Dealerperson finden. Auf den Inhalt will ich gar nicht eingehen. Jedoch: Pappsillhoutten aufstellen, ist nicht eimal Mittelstufenniveau.
Noch so ein verkannter Künstler, dieser mäßig begabte Postkartenmaler aus Braunau am Inn.

Heutzutage im TV Reportagen über Hartz-IV-Familien. Immerhin sei da Liebe, so die Reporterin. Will sie damit suggerieren, dass Familien, die ihren Kindern auch mal etwas zumuten, damit sie Impulskontrolle lernen und einen Willen zur Leistung entwickeln, so dass die Kleinen später im Leben zurecht kommen, ihren Nachwuchs nicht liebten?
Zum Schluss wird die sechzehnjährige Mutter zitiert, für sie gäbe es keinen Beruf, der sie mit Sinn erfülle, sie wolle nicht an der Kasse sitzen. Die Reporterin bestätigt die junge Frau. Ein Schlag ins Gesicht für alle Einzelhandeslkaufleute, die eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Hier wie dort, unter dem Brennglas der Psychiatrie, gilt: Je dürftiger die Habenseite in der Leistungsbilanz, desto höher die Anspruchshaltung.

Mir fällt die Validierung im Rahmen der Psychotherapie in einer Welt, in der ein Donald Trump US-Präsident sein kann, schwer. Dem Mueller-Report begegnen russische Diplomaten mit Gaslighting, sie zählen Einmischungen auf und sagen dann: Sie glauben doch nicht, dass jemand so etwas macht?
Einen ähnlichen Trick hat mir meine Mutter verraten, als sie sich im Spaßbad an der Kasse damit durchsetzte, mich und meine Freundin, die wir völlig unterschiedlich aussahen und 15 Jahre alt waren, als 12-jährige Zwillinge zu verkaufen: Die Lüge muss nur dreist genug sein, dann glaubt keiner, dass jemand in der Art lügt.

In dem Film ‘Das Leben der Anderen’ wird in der Stasi-Hochschule gelehrt, die Staatsfeinde beteuerten ihre Unschuld durch Schreien und Toben. Wer leise sei oder gar schweige, zeige damit seine Schuld. Es ist genau umgekehrt. In all dem Geschrei um Benachteilung und Opferstatus, sind die, die richtig Dreck fressen mussten, längst verstummt.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und annimmt, dass der Wahnsinn Methode hat.