Ein Kommilitone an meiner Ausbildungsstätte - einer der zwei Herren - spekulierte öffentlich darüber, ob er sich als Freier Mitarbeiter bei der Lokalzeitung zur Verfügung stellen sollte. Als Sprachstudent könnte er sich so weiter qualifizieren. Dieser Mitschüler musste allerdings nicht arbeiten, da sein Vater Geschäftsführer eines großen Maschinenbauunternehmens war und für sich und die Kinder einen Masseur nach Hause bestellte. Es blieb bei der Spekulation. Der Mitschüler ließ es bleiben. Doch ich griff die Idee auf und rief noch am selben Nachmittag bei der Lokalzeitung an. Ich wurde eingeladen, mich vorzustellen.
Ich wurde sofort genommen und sollte für Interviews mit Passanten in der Fußgängerzone zu aktuellen Themen 40,00 € bekommen und für Berichte über örtliche Veranstaltungen sogar 60,00 €.
Mein erste Job war, Fußgänger zum Thema Strafvollzug zu befragen. Die meisten Mitbürger ließen sich über Sexualverbrecher aus und forderten die Todesstrafe. Das durfte ich drucken. Zu einer Aussage von zwei vermuteten Sozialpädagoginnen mit Dreadlocks und Strickjacke, die sagten, man müsse in das Urteil die Sozialisation mit einfließen lassen und den Tätern eine Chance auf Bewährung geben, hieß es vom Redakteur: "So einen Scheiß drucken wir nicht."

Endlich bekam ich meinen ersten Auftrag für einen richtigen Bericht. Es stand das Hochschulfest der örtlichen FH an. Darüber sollte ich schreiben. Bei dieser Gelegenheit musste ich auch nicht selber fotografieren; ich bekam einen Fotografen zur Seite gestellt.
Ich schnappte meinen Notizblock und fuhr schon am Nachmittag zur Fachhochschule. Der Trubel war schon in vollem Gange. Es gab eine Torwand für die Fußballer, eine Sportmatte auf der man sich gegenseitig mit Schaumstoffschlägern umhauen konnte, zahlreiche Fressereien und eine Bühne mit Livemusik. Fleißig befragte ich die Studenten und fing die Stimmung ein. Schließlich geriet ich noch an den Informationsstand der Ökumenischen Hochschulgemeinde, wo ich den evangelischen und den katholischen Mitarbeiter über ihre Arbeit befragte.
Am nächsten Morgen fuhr ich in die Redaktion und hackte den Text in den Computer. Der Artikel erschien in der Wochenendausgabe.
Am Montag war wieder Schule. In der Mittagspause fand mich der Direktor im Klassenraum vor und berichtete mir, es sei ein Theologe  von der Fachhochschule dagewesen und hätte mir eine Notiz hinterlassen. Er händigte mir die Notiz aus und ich las: " Sie haben mich auf dem FH-Fest sehr beeindruckt. Ich kenne wenige Journalisten, die so gründlich und wirklich interessiert sind. Wenn Sie an einem Treffen interessiert sind, rufen Sie mich bitte an. Viele Grüße  (Ökumenische Hochschulgemeinde).

Das war Wasser auf meiner Mühle. Freilich lasse ich mir gerne Honig um den Bart schmieren. Ich rief den Theologen an. Wir verabredeten ein Treffen im Biergarten einer Pizzaria im Vorort. Mit meinem Vespa-Roller war ich ja mobil. Wir begegneten uns bereits auf dem Parkplatz und der Theologe zeigte mir stolz seinen T4 mit Innnenausbau.
Er lud mich zu einer Pizza ein und fuhr dann mit mir im VW-Bus an den nahe gelegenen See. Er parkte am Ufer und küsste mich. Das ging aber schnell! Na, meinetwegen. Anders kannte ich es ja nicht. Wir vögelten im Bus und er gestand mir, dass das das erste Mal Sex für ihn gewesen sei.

Der Theologe hatte eine Dachgeschosswohnung in einem Einfamilienhaus in einem Dorf außerhalb. Die Wohnung war geschmackvoll eingerichtet und an den Wänden hingen zahlreiche Jesus- und Heiligenbilder. Im Wohnzimmer hatte er auf DIN-A-2-Format einen Tilgungsplan aufgehängt, auf dem er die Abzahlung seiner Kredite verfolgte. Er hatte "Simplify Your Life" abonniert und pflegte sein weichendes Haupthaar mit einer speziellen Lotion von Keraloogie. Nichts fürchtete er so sehr wie die nahende Glatze. Seine Vermieter hatten zwei kleine Kinder und der Theologe hatte dazu erklärt: "Das habe ich gleich durchblicken lassen: Keinesfalls werde ich auch nur ausnahmsweise deren Blagen hüten!"
Er erklärte mir ferner, dass ich - als Journalistin bei der Lokalzeitung - wertvoll für seine Gemeinde wäre. Ich sollte nur fleißig über deren Aktivitäten berichten.
Für ihn stellte ich das Rauchen ein und Alkohol war fortan auch verpönt. Da ich nie viel geraucht hatte, fiel mir das nicht weiter schwer.

Sonntags ging es fortan immer in den Gottesdiens, in der der Theologe eine halbe Stelle als Pastoralreferent inne hatte. Wir fuhren die Haarnadelkurven vom Dorf in die Stadt hinein in seinem T4. Der Theologe hatte bereits 17 Punkte in Flensburg und sollte eigentlich vorsichtig fahren. Am Steuer fluchte er wie ein Rohrspatz. Ich bekam auf dem Beifahrersitz Angstzustände, wenn er auf der geraden Strecke mal wieder einen Rentner mit Hut aggressiv anhupte, bis der zur Seite fuhr, so dass jener noch vor der Kurve rasant überholen konnte. Sein VW-Bus war sein ganzer Stolz. Er hatte sich selbst ein Schild gefertigt, auf dem stand: Seelsorger im Einsatz! Dieses klemmte er auf den Privatparkplätzen, auf denen er den Bus abstellte, hinter die Windschutzscheibe. Dann gingen wir wandern.
Nach wenigen Wochen erlebte ich den Theologen als Prediger. Die Kirche, die sonst gut besucht war, war halb leer. Schließlich durfte er als Nicht-Geweihter keine Eucharistie feiern. Gut, dass nur wenige Paar Ohren anwesend waren. Ich war erschüttert, was für ein schlechter Redner erwar. Er sprach mit salbungsvoller Stimme, stockte und stotterte dabei. Auch seine Predigt war nicht gut aufgebaut.

Dass der Theologe kein Genie war - obwohl er sich selbst dafür hielt -, begriff ich schon bald. Er trug seinen Teil zur Aufklärung bei, indem er mir über seine Jugend berichtete.
Er erzählte mir, dass er schon als kleiner Junge für das katholische Brimborium geschwärmt hatte. Seine Familie war nicht sehr religiös, doch er ging selbstständig in jeden Gottesdienst und bekam leuchtende Augen, wenn der Priester die Monstranz vor sich hertrug und die Ministranten mit dem Glöckchen klingelten. Als Knabe spielte er die Eucharistiefeier im Garten nach.
Da er ein schlechter Schüler war, begann er nach der zehnten Klasse eine Tischlerlehre, die er auch abschloss. Dadurch fühlte er sich dem Heiland um so mehr verbunden. Sein Schwärmen für die Kirche ließ nicht nach, so dass er seinen Vater bekniete, ihm die Ausbildung im Priesterseminar zu finanzieren. Unter Würgen und Brechen holte er das Abitur nach und begab sich ins Priesterseminar. Über eine schnelle Auffassungsgabe verfügte er leider nicht, so dass er seine Studien mit einer Vier abschloss. Zuletzt verweigerte er die Weihung zum Priester und wurde Pastoralreferent.

Nachdem der erste stürmische Sex lange zurück lag, verleiteten mich Monate der Abstinenz in getrennten Betten zu dem Schluss, dass ich ihn mal "anmachen" müsste. Ich versuchte es mit einem Zungenkuss. Heftig empört stieß er mich grob zurück: "Das ist ekelig. So etwas machen nur Huren!"
Ich zog mich erschrocken in mein separates Bett im Gästezimmer zurück. Der Theologe hatte nur ein schmales Einzelbett im Schlafzimmer und erachtete es nicht für nötig, mal ein größeres anzuschaffen. Motiviert durch "Simplify Your Life" hielt er sich urplötzlich für einen Börsenexperten und verzockte das Geld eines Gemeindemitglieds, einer Frau, die für ihn schwärmte, die aber keine Chancen bei ihm hatte, weil sie erstens zu alt und zweitens bereits Kinder hatte. Als er merkte, dass er an der Börse kein Glück hatte, musste er ihr aus eigenen Ersparnissen den Betrag zurück erstatten.
Geiz war des Theologen  zweiter Vorname. Eines Tages lud er mich ein: "Komm du arme Kirchenmaus. Wir kaufen dir mal ein paar schöne Klamotten!"
Er fuhr mit mir in ein Outlet-Center von C & A-Qualität und überredete mich, in knallenge, beige Hosen zu steigen. Ich betrachtete mich im Spiegel und fand das furchtbar. Ich wollte mich nicht so zur Schau stellen. Ich suchte mir ein Paar weite Hosen heraus: "Die gefallen mir". "So etwas kaufe ich nicht", erklärte der Kirchendiener, "die kannst du selber bezahlen!" So fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Im Sonntagsgottesdienst hatte ich mich bisher zurück gehalten. Wenn die Gemeinde aufstand und zum Altar schritt, um die geweihten Hostien in Empfang zu nehmen, blieb ich in der Bank sitzen.
"Du musst die Eucharistie empfangen!", forderte mich der Theologe auf, "Jesu Leib ist in dieser Hostie und er wirkt auch in dir, selbst wenn du nicht dran glaubst".
Ich blieb skeptisch. Ich war protestantisch erzogen und begriff das Abendmahl mehr als Reminiszenz an den Christus. Unfair wollte ich jedoch auch nicht sein, also rief ich meinen alten Religionslehrer an, der an einer protestantischen Gemeinde Pfarrer war. Wir trafen uns zu einem theologischen Gespräch. Der Pfarrer  war mehr Intellektueller als Gottesmann und setzte mir auseinander, dass man seinetwegen das Abendmahl komplett streichen könnte. Ich fühlte mich bestätigt und dachte andererseits: "Ist auch wurscht" und ging das nächste Mal mit zur Eucharistie. Der Theologe war zufrieden. Nun konnte er hoffen, dass der Heilige Geist auch in mich hineinfahren würde.

Das zweite Jahr Fachakademie ging zu Ende und die Sommerferien standen vor der Tür. "Wo wollen wir hinfahren", fragte der Theologe.
"Nach Spanien!" rief ich begeistert, schließlich lernte ich Spanisch in der Ausbildung und wollte es gerne einmal anwenden.
"Ich wollte eigentlich lieber mit dem Bus durch Kroatien fahren", sagte er.
Doch ich bettelte: "Bitte, bitte, nach Spanien!"
Er gab nach. Wir packten die Koffer in den VW-Bus und fuhren los. Als wir Frankreich durchquerten machten wir einen Abstecher nach Taizé und blieben dort drei Tage. Am Lac du Annecy blieben wir noch für eine Übernachtung in einem Franziskanerkloster. Doch dann überquerten wir die Pyrenäen und waren auf der Autobahn nach Barcelona. Der Theologe verpasste die Ausfahrt. "Umdrehen", forderte ich, "ich möchte so gerne die Kathedrale von Gaudì sehen!"
Doch der Theologe  hielt nichts davon, jetzt noch einmal umzudrehen und so fuhren wir die Levante weiter entlang, ohne Barcelona gesehen zu haben.
Endlich kamen wir in Andalusien an. Ich wollte die Alhambra sehen. Der Theologe war dagegen: "Islamischer Müll". Doch diesmal setzte ich mich durch, indem ich ihm von der Kunst und der Schönheit, über die ich gelesen hatte, berichtete. Wir fanden unseren Weg nach Granada hinein, stellten den Bus ab und suchten die historische Kulturstätte. Vor dem Eingang zur Alhambra wartete schon in den frühen Morgenstunden eine kilometerlange Schlange. Zuerst versuchte der Theologe, sich mitten in die Schlange zu drängen, doch da wurden wir von den anderen Wartenden ausgebuht. Mir war das furchtbar peinlich. Schließlich griff der ungeduldige katholische Theologe zum letzten Mittel und bestach den Pförtner mit 20,00 €. Wir waren sofort drin. Und der Theologe musste zugeben, dass die Alhambra eine Reise wert war.
Den Rückweg nach Norden legten wir über Zentralspanien zurück, wobei wir freilich auch Madrid links liegen ließen. Dafür fanden wir in der Nähe von Toledo einen wunderschönen Rastplatz an einer kleinen Kapelle. Hinter der Kapelle entsprang ein kleiner Bach. Wir füllten unsere Kanister auf und ich duschte. Das ging so: Der Theologe stand mit dem 50-Liter-Kanister oben hinter einer Mauer und goss das Wasser auf mich hinab. Während ich mich unterhalb der Mauer einseifte. Plötzlich schrie er: "Was heißt 'Frau' auf Spanisch? Was heißt 'nackt' auf Spanisch? Was heißt 'Stop' auf Spanisch?"
"'Mujer', 'desnuda' und 'pare!'" antwortete ich hektisch. Der Theologe wiederholte rufend die Worte und drängte mich zur Eile. Da war eine Gruppe Einheimischer gekommen, mit denen ich auch - wieder bekleidet - prompt ins Gespräch kam. Man erzählte mir, an diesem Bach sei einem Schäfer im 13. Jahrhundert die Jungfrau Maria erschienen. Deshalb habe man die Kapelle gebaut. Und ob wir nicht heute Abend ins Dorf kommen wollten, um mit ihnen Mariä Himmelfahrt zu feiern?
Ich war begeistert! Mein Spanisch floss einigermaßen und wir waren von Einheimischen eingeladen! Doch der Theologe winkte ab. Er verstünde kein Wort Spanisch und hätte darauf keine Lust.
Dennoch war der Spanienurlaub schön. Ich war zuvor wegen Geldmangel noch nie gereist. Freilich musste ich auch diese Reise selbst bezahlen – der Theologe zahlte ja schließlich seine Kredite ab. Ich kündigte meine Aussteuerversicherung und hatte dann sogar noch etwas Geld übrig.

Dann kam der 11. September und die Welt war nicht mehr, wie sie mal war. Die Schule hatte wieder begonnen und die Terrorattacken waren Gesprächsthema Nummer Eins. Auch der Theologe meinte, mitreden zu müssen. Ein halbes Jahr nach den Anschlägen erklärte er mir: "Ich werde eine christlich-muslimische Diskussionsrunde einberufen. Da kann ich mich als Moderator hervortun. Das ist wichtig. Dann werde ich öfter als Moderator eingeladen".
"Gute Idee", sagte ich, "dann sollten wir auch das Haus International einladen".
"Auf keinen Fall - das sind bornierte, engstirnige Moslems".
Der Theologe druckte Plakate und hing sie in allen Kirchengemeinden aus. Ich gab ihm zu bedenken, dass er wenigstens vorher eine Koranzusammenfassung lesen sollte. Doch das hielt er nicht für nötig. Schließlich war es so weit. Eines Abends trafen sich die Diskussionsteilnehmer im Gemeindesaal einer katholischen Kirche. Selbstverständlich waren auch die Vertreter des Haus International gekommen und ließen erst mal ihrem Ärger Luft, nicht offiziell eingeladen worden zu sein.
Die Diskussion begann. Der Theologe glänzte durch Nichtwissen und salbungsvolles Gesäusel. Die Diskussion drohte aus dem Ruder zu laufen; die Muslime fühlten sich in die Ecke gedrängt. Ich hielt es nicht mehr ruhig aus und meldete mich. Der Moderator ignorierte mich so lange, bis sein evangelischer Kollege von der Ökumenischen Hochschulgemeinde einwarf: "Deine Freundin meldet sich schon eine ganze Weile". Er musste mich aufrufen. Ich begann: "Wenn wir den Islam auf diese fürchterlichen Anschläge reduzieren, tun wir den Muslimen unrecht. Ein europäischer oder auch türkischer Muslim hat mit diesen Terroristen sicher so viel gemeinsam wie ein aufgeklärter Christ mit einem Fundamentalisten aus den USA.  Außerdem hat auch das Christentum nicht unbedingt eine vorteilhafte Geschichte. Dem gegenüber könnte man die Geschichte des Islam stellen, insbesondere die Blüte im Maghreb und in Andalusien, wo Toleranz gegenüber Andersgläubigen gepredigt wurde. Überdies, denkt doch mal an die wunderbare Liebeslyrik von Rumi, beispielsweise".
Ich fuhr noch eine Weile so fort und erntete begeistertes Kopfnicken von den muslimischen Vertretern. Nach Beendigung dieses Treffens wandte sich mir der Vorstand des Haus International zu und schüttelte mir die Hand: "Danke!"
Auch ein Kollege vom Theologen war begeistert: "Das war ganz toll. Du kennst dich wirklich aus!"
Nur der Moderator war ganz und gar nicht begeistert: "Da kannst du ja gleich zum Islam konvertieren!"

Das Jahr rückte voran und bald war Weihnachten. Der Theologe besorgte einen Christbaum und schmückte ihn festlich. Ich hatte lange überlegt, was ich ihm schenken wollte. Das war gar nicht so einfach: Ich war arm und er kaufte sich einfach alles, was er brauchte. Schließlich entschied ich mich für einen schönen Winterpullover. Als wir am Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum saßen und er sein Geschenk auspackte, leuchteten seine Augen. Er freute sich: "Das hast du schön ausgesucht".
Ich bekam eine Packung losen Tees aus dem Teeladen.
Auch das Weihnachtsfest verzieh ich ihm. Ich freute mich auf meinen Geburtstag im März. Vor zwei Jahren war mein Vater gestorben. Letztes Jahr mein Opa - wieder genau an meinem Geburtstag. Diesmal, so dachte ich, gab es niemanden mehr, der sterben könnte. Doch weit gefehlt. Die Schwester des Theologen, die an einer unheimlichen Erkrankung litt und auf ein Spenderorgan wartete, waren in der Nacht auf den 26. März die Schläuche aus ihrem Beatmungsgerät gerutscht und sie starb. Sie sollte am 28. März - an meinem Geburtstag - beerdigt werden. Noch bevor der Theologe zur Beerdigung abreiste, machte er Schluss: "Wir beide passen einfach nicht zusammen."
Es war spät abends und ich mit dem Bus da. Ich hatte keine Chance, heute noch nach Hause zu kommen. Also kroch ich in mein Gästezimmer unter die Bettdecke und stand am nächsten Morgen um fünf Uhr auf. Ich packte meine Sachen und begab mich an die Bushaltestelle. Es fuhr kein Bus, also streckte ich den Daumen heraus. Ein Viertel Stunde später nahm mich eine Dame mit in die Stadt.
Dort angekommen, ging ich gleich in die nächste Tankstelle und kaufte mir ein Päckchen Tabak und einen Sixpack Beck's. Ich rief meine Freunde an, die mich erstmalig sozialisiert hatten und die mich bereitwillig wieder aufnahmen. Nur einer meinte mit einem Augenzwinkern: "Was suchst du dir auch immer so komische Typen aus?!" Die Welt hatte mich wieder!

Ich hatte den nächsten Auftrag für die Lokalzeitung. Ich sollte über den Spatenstich für ein neues Gemeindehaus berichten. Ich fuhr dort hin, kehrte in die Redaktion zurück und lieferte meinen Artikel ab. Am nächsten Tag, einem Samstag, rief mich der Wochenendredakteur an: "Handelte es sich nun um einen Spatenstich oder um eine Grundsteinlegung?"
"Keine Ahnung", antwortete ich, "die haben mit einem Spaten in die Erde gestochen. Ist das nicht das gleiche wie eine Grundsteinlegung?"
"Keine Ahnung", erwiderte der Wochenendredakteur, "ruf da noch mal an!"
Also rief ich in der Pfarrei an und machte mich mit meiner Fragerei ziemlich unmöglich. Schließlich formulierten wir den Artikel so, dass daraus nicht ganz klar hervor ging, um was es sich gehandelt hatte. Das war mein letzter Auftrag für die Lokalzeitung. Sie riefen nie wieder an.

Mit der Schule hatte ich ohnehin genug zu tun. Die Ausbildung an der Fachakademie näherte sich ihrem Ende und die Direktorin, die so wahnsinnig stolz darauf war, dass sie in St. Andrews studiert hatte, jubilierte: "Das ist ein tolles Jahr. Da ist schon absehbar, was in den Prüfungen dran kommen wird. Also, bereitet euch vor!"
So hatte sogar der 11. September noch etwas Gutes....